Die BI Haßleben unterstützt den Widerstand gegen die geplante Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin mit ihrer "Perlen für die Säue"-Aktion am 27.8 2011

Nordkurier - Artikel vom 29.08.2011

Die Tierfabrik-Gegner bleiben hartnäckig
Von Kirsten Gehrke Alt Tellin/Neu Plötz.

Für jedes gequälte Schwein eine Perle. Mit der Abschlussaktion
"Perlen für die Säue" setzten am Sonnabend die rund 300 Teilnehmer einer Protestveranstaltung gegen Massentierhaltung ein deutliches Zeichen. Auf dem Acker gegenüber der Baustelle einer Ferkelzuchtanlage zwischen Neu Plötz und Alt Tellin bildeten die Tierfabrik-Gegner einen riesigen Kreis und zeigten damit, dass ihr Widerstand in Alt Tellin weitergehen wird.

Eigentlich sollte die 100 Meter lange Schnur mit 1000 Perlen mit einem Ballon in die Luft steigen, aber beim Aufblasen platzte dieser. So improvisierten die Initiatoren aus dem uckermärkischen Haßleben. Der Kreis sei ebenbürtig symbolträchtig gewesen, meinten die Teilnehmer. Schließlich wollen sie zeigen, dass sie so schnell nicht aufgeben. Auch wenn hinter dem Bauzaun bereits die Arbeiten in vollem Gange sind.

Am Sonnabend forderten die Protestler den sofortigen Stopp der Bauarbeiten, die nach ihrer Meinung zu Unrecht genehmigt wurden. Unterstützt wurden sie von Grünen-Chefin Claudia Roth und Helmut Holter von den Linken. Aufgerufen zum Protest hatte die Bürgerinitiative
"Rettet das Landleben im Tollensetal". "Wir fühlen uns nicht als Verlierer", meinte dessen Vorsitzender Jörg Kröger. Die Bürgerinitiative habe mehrere Jahre den Baustart der Anlage verzögern können, in der jährlich 10 500 Muttersauen bis zu 250 000 Ferkel produzieren sollen. Über 700 Einwände seien gegen das Projekt des niederländischen Investors eingegangen. Eine Vielzahl von Verbesserungen, wie unter anderem bautechnische Veränderungen, seien erreicht worden. Jedoch der Brandschutz sei nach wie vor nicht geklärt. Deshalb müsse der Bau sofort gestoppt werden.

Die Rahmenbedingungen der Politik von der Regierungskoalition der SPD und CDU würden jedoch derzeit eine Verhinderung solcher Tierfabriken unmöglich machen. Das konnte die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, nur bestätigen. Die Landwirtschaftspolitik in Mecklenburg-Vorpommern sei rückwärtsgewandt, sagte sie gegenüber Nordkurier. Während man anderswo zur bäuerlichen Landwirtschaft zurückkehrt, die Nachfrage nach Bio und Öko steigt, sehe sie in MV einen umgekehrten Trend. Tierfabriken, wie die geplante in Alt Tellin, hätten nichts mit Tierschutz zu tun.
Hier gehe es nur um reinen Profit. "Touristen kommen nicht, wenn sie riesengroße Betriebe mit Tierquälerei sehen", so Roth. "Es ist furchtbar und abschreckend." Für sie war es keine Frage, die Bürgerinitiative vor Ort zu unterstützen. "Es lohnt sich auf alle Fälle weiterzumachen und zu protestieren." Die Anlagengegner seien keine Wutbürger. Sie würden verantwortlich handeln und wollten die Zukunft gestalten. Hellauf begeistert war die Grünen-Chefin vom Auftritt der Bigband des Demminer Goethegymnasiums. "Die Bigband ist ganz große Klasse, einfach toll", meinte sie strahlend und sparte nicht an Beifall. Sie finde es gut, wenn junge Leute auf diese Weise für die Sache demonstrieren.
Unterdessen forderte Dr. Jörg Gerke von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die ostdeutsche Bodenpolitik zu überdenken. Diese sei die Voraussetzung für Agrarindustrie. Warum große Anlagen vor allem in Ostdeutschland entstünden, habe den Grund, dass hier große Betriebe mit bis zu 10 000 Hektar Fläche existieren. Die könnten alleinig die Nachweisflächen für den Investor liefern, wenn es um Auflagen zum Beispiel für die
Gülle gehe. In Westdeutschland dagegen müssten sie sich mit mehreren Bauern auseinandersetzen. Auch Gerke hat als Landwirt daran seine Zweifel, dass mit Tierfabriken mehr Arbeitsplätze in die Region kommen würden. Wenn der Investor sage, er schaffe 40 Arbeitsplätze, dann würden dem gegenüber anderswo 30 auf der Kippe stehen.
"Es lohnt sich, auf alle Fälle weiterzumachen."

Bauplatz der geplanten Ferkelzuchtanlage

Die 1000 Perlen für die Säue mit Sybilla Keitel

Claudia Roth von den Grünen, die den Widerstand tatkräftig unterstützt

Stefan Johnigk von Provieh, der mit  "Perlen für die Säue-Anstecker

Spontane Land Art -Aktion auf dem Acker